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Beispiel 3:
Orientierung vor dem Übergang in den Ruhestand

Ausgangssituation: Michael ist 61 Jahre alt und steht wenige Jahre vor dem Übergang in den Ruhestand. Beruflich blickt er auf ein erfülltes Arbeitsleben zurück. Seine Rolle war klar, seine Expertise gefragt, sein Alltag strukturiert. Gleichzeitig spürt er seit einiger Zeit eine diffuse Unruhe. Er fragt sich:
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr arbeite?
Woran werde ich meinen Beitrag messen?
Wie möchte ich meine Zeit, meine Energie und meine Erfahrung einsetzen? Michael hat keine Angst vor dem Ruhestand – aber Respekt vor der Leere, die entstehen könnte, wenn Struktur, Anerkennung und Sinn wegfallen.

Schritt 1: Ein vorläufiges Zielbild ermitteln

Michael formuliert für sich ein Zielbild, das weniger auf Aktivität als auf Qualität zielt: „Ich möchte meinen Übergang in den Ruhestand so gestalten, dass ich mich weiterhin gebraucht fühle, innerlich wach bleibe und meine Zeit sinnvoll erlebe – ohne mich zu überfordern.“ 

Dieses Zielbild verzichtet bewusst auf konkrete Tätigkeiten. Es beschreibt eine Haltung.

Schritt 2:  Realitätscheck – was ist aktuell möglich?

Michael prüft seine Rahmenbedingungen:
- Finanzielle Sicherheit ist gegeben.
- Gesundheit ist grundsätzlich stabil, aber nicht grenzenlos belastbar.
- Sein soziales Netzwerk ist stark berufsbezogen.

Er erkennt: 
- Ein kompletter Bruch mit Arbeit würde ihm schwerfallen.
- Gleichzeitig möchte er keine neue Vollverpflichtung eingehen.

Das Zielbild bleibt bestehen, wird aber auf einen gleitenden Übergang ausgerichtet.

Schritt 3:  Orientierungsgrößen ableiten

Michael fragt sich: Woran würde ich merken, dass dieser Übergang gelingt? Er entscheidet sich für drei Orientierungsgrößen:
- Ich habe regelmäßige soziale Anknüpfungspunkte.
- Ich erlebe Sinn durch Beitrag, nicht durch Status.
- Mein Alltag fühlt sich strukturiert, aber nicht fremdbestimmt an.

Diese Größen sind nicht messbar – aber subjektiv sehr klar erfahrbar.

Schritt 4:  Spiegelung mit der Future-Skills-Übersicht

Michael betrachtet nun das Skill-Framework und erkennt mehrere relevante Fähigkeiten:
- Identitätsflexibilität
- Selbststeuerung jenseits externer Strukturen
- Beziehungs- und Beitragssinn

Beim ehrlichen Blick auf sich selbst merkt er:
- Struktur kam bisher stark von außen.
- Beziehungen waren häufig rollenbasiert.
- Eigene Projekte ohne äußere Vorgaben fielen ihm schwer.

Schritt 5:  Bewusste Priorisierung

Michael entscheidet sich bewusst für einen Fokus:
- einen Skill: Selbststeuerung
- einen Unterskill: eigene Rhythmen und Strukturen entwickeln
Er erkennt: Bevor er neue Tätigkeiten sucht, muss er lernen, sich selbst einen tragfähigen Alltag zu geben.

Schritt 6:  Entwicklungs-Experimente (über einen Zeitraum von 6 Wochen)

Michael wählt zwei einfache Experimente:
1.     Er gestaltet zwei feste Wochentermine, die unabhängig von Arbeit Sinn stiften (z. B. Engagement, Lernen, Bewegung).
2.     Er reflektiert regelmäßig: Fühle ich mich danach belebt oder erschöpft?

Der Zeitraum von sechs Wochen erlaubt es ihm, Erfahrung zu sammeln, ohne sich festzulegen.

Schritt 7: Lernreflexion statt Bewertung

Nach sechs Wochen reflektiert Michael:
- Was hat geholfen? Feste, selbstgewählte Strukturen geben Sicherheit.
- Was hat gebremst? Zu viele Erwartungen an „sinnvolle Nutzung“ der Zeit. 
- Was ist der nächste kleine Schritt? Er möchte ein Engagement vertiefen und ein anderes bewusst loslassen. 

Sein Zielbild verändert sich leicht: „Ich muss nicht alles ersetzen, was Arbeit mir gegeben hat – sondern Neues ergänzen.“

Was dieses Beispiel zeigt: 

Was dieses Beispiel zeigt:
Es ging nicht um Aktivierung oder Leistungsfähigkeit, sondern um:
- Identität,
- Sinn,
- Selbstwirksamkeit im Übergang. 

Michael hat keinen Lebensplan erstellt. Aber er hat begonnen, seinen Ruhestand bewusst zu gestalten, statt ihn einfach eintreten zu lassen. Gerade in späten Übergangsphasen zeigt sich, dass Future Skills keine „Karriere-Skills“ sind, sondern Lebenskompetenzen. Fähigkeiten wie Selbststeuerung, Reflexion und Beziehungsfähigkeit bleiben bis ins hohe Alter zentral – vielleicht sogar besonders dann. Nicht um etwas Neues zu werden. Sondern um stimmig weiterzuleben.

Erkennst Du Dich wieder?

In Momenten des Innehaltens – befinden sich viele Menschen in einem mentalen Aufbruchsmodus: Sie reflektieren, setzen sich neue Ziele und sind besonders offen für Veränderung. Dieses „Silvester-Phänomen“ kannst du gezielt nutzen, indem du genau diesen Impuls folgst: den Wunsch nach Selbstbestimmung und persönlicher Weiterentwicklung. 

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